DASMASSDERDINGE

Master Advanced Design
2 Semester
Aufgabenstellung: 
Spürbar-machen der Subjektivität des Messens, durch die Übertragung von Information auf einen haptischen Gegenstand.

Wie viele Dinge braucht der Mensch? Laut Statistik soll der Durchschnittseuropäer 10.000 Dinge besitzen.

Im Selbstversuch wollte ich feststellen wie viel ich angehäuft hatte. Die Daten sollten mir dazu dienen mein Kaufverhalten zu reflektieren, einen Status Quo zu ermitteln und sich gegebenenfalls von unnötigen Ballast zu trennen.

Meine Idee war es die Informationen auf einen Gegenstand zu übertragen und so das Ausmaß des eigenen Besitzes begreiflich zu machen. Ein Schal, als Projektionsfläche für die gesammelten Daten schien mir geeignet ein potentielles Übermaß zu illustrieren und so seinen Träger gänzlich zu verhüllen. Erst auf eine gesunde Länge gekürzt würde er seine praktikable Funktion wiedererlangen.

Doch schon der Zählvorgang offenbarte das eigentliche Problem der Aufgabenstellung. Wie ist es überhaupt möglich die Dinge, die uns umgeben in einer Auflistung wiederzugeben? Sie auf ein Maß herunterzubrechen, dass sie vergleichbar macht? Wird ein Buch nur durch seine Bindung zu Einem und unterscheidet sich deshalb von einem Stapel Papier, der sich in einzelne Blätter zerlegen lässt?

Dies zu beantworten, erschien mir extrem subjektiv und abhängig von den Beziehungen die man zu den Gegenständen über Jahre aufgebaut hatte. Und genau dies wollte ich in einer Installation zum Ausdruck bringen.

Die Liste konnte also nicht ohne Weiteres auf einen Gegenstand übertragen werden. Sie musste eine Metamorphose durchlaufen, die aus ihr ein fühlbares Objekt im mehrdimensionalen Sinne machen würde. So ist die Wahl des Materials Papier sinnvoll, da es eine direkte Übertragung der Daten vom Computer bis zum fertigen Strickwerk ermöglicht. Vielmehr noch stellt die Verwendung von Kassenbonrollen eine Anspielung auf die rationale Zahlenlogik der Konsumgesellschaft dar, dem die gefühlvolle Unvollkommenheit des Handwerks gegenüber steht.

Der gestrickte Bereich setzt sich aus meinen gezählten Gegenständen zusammen. Das einzelne Ding, dessen Beschreibung sich einst in Produktfamilie, Produkttyp, Hersteller, Aussehen und Materialität gliederte verschwindet im Strickwerk. An seine Stelle tritt die Masche. Überlagert wird das ganze vom Titel, der durch seine Offenheit zum gedanklichen weiterstricken einlädt und so vor allem die Frage nach dem persönlichen Mass der Dinge formuliert.